r

┬źViele Menschen staunen, wie viel sie tats├Ąchlich ausgeben.┬╗

Budget-Expertin Andrea Schmid-Fischer ├╝ber oft vergessene Kosten, Alltagstipps und wie bereits Kinder lernen k├Ânnen, mit Geld umzugehen.

07.09.2020

  • Lifestyle

Frau Schmid, was erwarten Menschen, die bei Ihnen einen Termin buchen?

Eine neutrale, professionelle Aussensicht. Und nat├╝rlich praktische Tipps. Viele haben das dumpfe Gef├╝hl, mit ihrem Budget k├Ânne etwas nicht stimmen. Oder wieso bliebe sonst so wenig Geld ├╝brig am Monatsende? Wir schaffen Klarheit und zeigen auf, wohin Ihr Geld genau fliesst, wie Sie es besser steuern k├Ânnen und welche R├╝cklagen Sie brauchen, um jederzeit ruhig schlafen zu k├Ânnen.

Beraten Sie ausschliesslich Personen, die knapp bei Kasse sind?

Nein, denn nur weil jemand einen satten Lohn kassiert, heisst das noch lange nicht, dass ihn das Thema Geld nicht besch├Ąftigt. Bei uns ist jeder willkommen, der Fragen hat. Beispielsweise junge Familien: Pl├Âtzlich ist nur noch ein Lohn da statt zwei, der Lebensstandard ist aber derselbe geblieben. Das geht in der Regel nicht lange gut. Es gilt, sich anzupassen und neu zu organisieren.

« Autos sind Geldvernichter und kommen bei uns nat├╝rlich zur Sprache. »
Andrea Schmid-Fischer, Budgetberaterin

Steuern sind bestimmt ein oft untersch├Ątzter oder gerne vergessener Kostenpunkt.

Absolut. Man sollte f├╝r vorhersehbare Rechnungen monatlich R├╝ckstellungen zur Seite legen. Also nicht nur f├╝r Steuern, denn auch andere Auslagen sind so sicher wie das Amen in der Kirche ÔÇô und ├╝berraschen viele Menschen trotzdem immer wieder. Zum Beispiel TV- und Rundfunkgeb├╝hren, die Franchise und der Selbstbehalt bei der Krankenkasse oder Ferien.

In L├Ąndern wie Deutschland werden Krankenkassenpr├Ąmien und Steuern direkt vom Lohn abgezogen.

F├╝r mich eine super L├Âsung. Ein Direktabzug gibt einen viel besseren ├ťberblick dar├╝ber, was man tats├Ąchlich in der Tasche hat. Das Schweizer System kann einen schnell ├╝berfordern und zu gravierenden Fehleinsch├Ątzungen verleiten.

Apropos Fehleinsch├Ątzung: Viele Leute wissen nicht, dass ein Privatauto ├╝ber CHF 10╩╝000 pro Jahr kostet. Ein Thema in Ihrer Beratung?

Autos sind Geldvernichter und kommen bei uns nat├╝rlich zur Sprache. Sind sie aus beruflichen Gr├╝nden notwendig oder passen ins Budget, ist das eine Sache. Eine andere ist es jedoch, wenn daf├╝r jemand bei Grundlegendem wie Essen oder Bildung spart. Dann schlagen wir Alternativen wie Mobility, ├ľV oder das Velo vor.

Macht Kleinvieh eigentlich auch genug Mist, um etwas auf die hohe Kante zu legen?

Und ob! Viele Menschen staunen, wie viel sie tats├Ąchlich f├╝r Kleider, Schuhe, Coiffure, Kosmetik oder Essen ausgeben. Genau hier bricht Haushalten unkontrolliert viel Geld weg.

Verst├Ąrken Zahlungsmittel wie Kreditkarten oder Apps solch unkontrollierte Ausgaben?

Das kann man nicht verallgemeinern. Jeder Mensch tickt anders. Junge Menschen sind sich bargeldloses Zahlen gewohnt, wobei dies sicherlich eines bedingt: Disziplin. Bei Kreditkarten findet die Belastung ja zeitverz├Âgert statt. Da ist es wichtig, b├Âse ├ťberraschungen zu verhindern.

Ganz ehrlich: Ich glaube, es w├Ąre mir zu m├╝hsam, all meine Ausgaben genau zu kontrollieren.

Sie m├╝ssen das ja nicht laufend machen. Es reicht, ein, zwei Monate Buch zu f├╝hren, um die richtigen Schl├╝sse zu ziehen. Hauptsache ist, Sie konzentrieren sich auf die Einhaltung Ihres Budgets und f├Ąllen keine Entscheide mehr aus dem Bauch heraus oder weil der Kontostand gerade erfreulich ist. In diesem Zusammenhang m├Âchte ich etwas Wichtiges anf├╝gen.

Ja?

Es ist zentral, dass wir bereits in jungem Alter lernen, nachhaltig mit Geld umzugehen. Bereits kleine Kinder sollen verstehen, dass Sparen, Teilen und Ausgeben zusammengeh├Âren. Statt eines F├╝nflibers Taschengeld k├Ânnten Sie also einem Kind drei Zweifr├Ąnkler auszahlen: einen, um zu kaufen, was es gerade will; einen f├╝rs Sparschwein, und einen, um anderen etwas Gutes zu tun. Beispielsweise kann es seinem Gsp├Ąndli etwas S├╝sses am Kiosk spendieren. Das ist ein Lerneffekt, der sich f├╝r immer einpr├Ągen wird.

Andrea Schmid-Fischer ist Pr├Ąsidentin des Dachverbandes Budgetberatung Schweiz und Leiterin Budgetberatung der Frauenzentrale Luzern.

www.budgetberatung.ch
www.frauenzentraleluzern.ch

F├╝r ein besseres Nutzererlebnis

... halte deinen Browser auf dem neuesten Stand. Wir empfehlen dir Google Chrome, Safari oder Firefox zu verwenden.