Projekt zum bidirektionalen Laden: ┬źWir senden ein starkes Zeichen an die Autohersteller┬╗

Mobility hat den bislang gr├Âssten Praxistest mit bidirektionalen E-Autos durchgef├╝hrt und kommt zum Schluss: Die Technik funktioniert und k├Ânnte wirtschaftlich betrieben werden. Mit dem Volks-Ja zum Stromgesetz verbessern sich zudem die Rahmenbedingungen in der Schweiz. Aber: Damit Elektroautos k├╝nftig im grossen Stil das Stromnetz stabilisieren k├Ânnen, brauchts von Politik, Autoherstellern und Netzbetreibern einen zus├Ątzlichen Effort.

25.06.2024

  • Mobility

Die ├ära der bidirektionalen E-Autos steht vor der T├╝re, doch f├╝r die breite Anwendung der Technologie brauchts noch ein paar Jahre. Das ist die stark vereinfachte Erkenntnis aus dem Pilotprojekt V2X Suisse von Mobility. Das Carsharing-Unternehmen hat w├Ąhrend eineinhalb Jahren 50 bidirektionale E-Autos als Teil der Flotte betrieben und getestet ÔÇô zusammen mit sechs Partnern und der Unterst├╝tzung des Bundesamts f├╝r Energie (siehe Box). Die Autos haben dabei nicht nur Strom bezogen, sondern bei Bedarf auch ins Netz zur├╝ckgegeben. Die Erwartungen an diese Technologie sind gross, da E-Autos in Zukunft mithelfen k├Ânnten, das Stromnetz zu stabilisieren. Denn wenige tausend bidirektionale Autos k├Ânnen die gleiche Leistung bereitstellen wie ein Pumpspeicherkraftwerk.

Carsharing als komplexester Fall

Mit dem Ende des Projekts ziehen die Verantwortlichen nun ein positives Fazit. Erstens hat das System technisch funktioniert und zweitens konnte man beweisen, dass die Autos in Sekundenschnelle Strom liefern, wenn das entsprechende Signal vom Netzbetreiber kam. Das V2X-Projekt hat erstmals gezeigt, dass es m├Âglich ist, viele E-Autos im Zusammenschluss zu einem virtuellen Speicher zusammenzunehmen und den Energie-Fluss in Echtzeit zu steuern. Mobility stellte mit ihren Fahrzeugen und Infrastruktur die perfekte Umgebung f├╝r diesen Test bereit. ┬źSo konnten wir den wohl komplexesten Anwendungsfall untersuchen ÔÇô mit Autos, die in der ganzen Schweiz bei verschiedenen Stromanbietern platziert sind und jederzeit f├╝r geteilte Fahrten zur Verf├╝gung stehen m├╝ssen┬╗, sagt Pascal Barth, Elektroingenieur bei Mobility. Das zeige: ┬źWenn bidirektionales Laden im Carsharing-Fall geht, sollte es ├╝berall machbar sein.┬╗

F├╝r einen wirtschaftlichen Betrieb m├╝ssen die Preise sinken

Neben der technischen Machbarkeit untersuchte das Projekt auch, ob sich mit einer bidirektionalen Autoflotte Geld verdienen l├Ąsst. Die Kurzantwort: (noch) nicht. Zuerst m├╝ssen die wirtschaftlichen Bedingungen f├╝r netzdienliche Dienstleistungen attraktiver werden. Zwar hat V2X Suisse herausgefunden, dass sich bereits heute mit dem Laden und Entladen zum passenden Zeitpunkt Einnahmen generieren lassen ÔÇô bis zu 600 Franken pro Fahrzeug und Jahr. Damit konnten die Kosten in der Testphase aber bei Weitem nicht gedeckt werden. Unter anderem wegen den sehr hohen Preisen f├╝r bidirektionale Ladestationen. Hinzu kommt, dass die Auswahl an bidirektionalen E-Autos nach wie vor verschwindend klein ist und es an interoperablen Normen fehlt. Letzteres hat zur Folge, dass heute f├╝r die Steuerung einer Flotte Speziall├Âsungen n├Âtig sind, die nicht mit unterschiedlichen Automarken oder Ladestationen kompatibel sind.

┬źDas Angebot an bidirektional ladenden Autos hat sich weniger schnell entwickelt, als erhofft┬╗, sagt V2X-Projektleiter und Branchenkenner Marco Piffaretti. Trotzdem ist er zuversichtlich: ┬źV2X Suisse hat viele positive Reaktionen ausgel├Âst und der bidirektionalen Technik Aufschwung verliehen. Wir senden ein starkes Zeichen an die Autohersteller, mehr und g├╝nstigere dieser Fahrzeuge auf den Markt zu bringen.┬╗

Wegfall der doppelten Netzgeb├╝hr ab 2025

Immerhin eine Rahmenbedingung wird sich bereits ab 2025 deutlich verbessern, da das Schweizer Stimmvolk am 9. Juni das Stromgesetz angenommen hat. Dieses erm├Âglicht zum Beispiel die R├╝ckerstattung der doppelten Netzgeb├╝hren, die bis anhin die R├╝ckspeisung von Strom ins Netz finanziell unattraktiv gemacht haben. Zudem legt das Gesetz die Grundlagen f├╝r einen Flexibilit├Ątsmarkt bei den lokalen Verteilnetzbetreibern. Die entsprechenden Verordnungen werden nun durch die Bundesverwaltung erarbeitet.

Mobility setzt den Fokus auf intelligentes Laden

In ein paar Jahren wird es m├Âglich sein, eine dezentrale E-Autoflotte netzdienlich und vor allem wirtschaftlich betreiben zu k├Ânnen. Bis dahin pausiert Mobility das Thema bidirektionales Laden und fokussiert sich auf die laufende Elektrifizierung der Flotte. Das Unternehmen hat bereits 600 der rund 3000 geteilten Autos auf Elektro umgestellt ÔÇô inklusive Ladestationen ÔÇô und treibt den Wandel weiter voran. ┬źDas V2X Suisse Projekt war f├╝r uns eine super M├Âglichkeit, viel ├╝ber Entwicklungen und Technologien der Elektromobilit├Ąt und der Energiem├Ąrkte zu lernen┬╗, sagt Mobility-CEO Roland L├Âtscher. ┬źDie Erkenntnisse nutzen wir, um unsere Elektroflotte k├╝nftig intelligenter zu laden. Dies wird sich nicht nur finanziell positiv auswirken, sondern auch die Lebensdauer der Autobatterien verbessern.┬╗ Es sei durchaus denkbar, dass Mobility das Thema bidirektionales Laden in Zukunft wieder aufnehme. ┬źDenn V2X Suisse hat eindr├╝cklich das Potenzial dieser Technologie f├╝r die Schweiz und f├╝r Flottenbetreiber aufgezeigt.┬╗

├ťBER V2X

Hinter ┬źV2X Suisse┬╗ stehen sieben Unternehmen, wobei der Projektlead bei Mobility liegt. Zudem dabei:  Automobilhersteller (Honda), Software-Entwickler (sun2wheel), Ladestationen-Entwickler (EVTEC), Aggregatoren (tiko), wissenschaftliche Begleitung (novatlantis, in Zusammenarbeit mit der ETH Z├╝rich). Das Projekt wird durch das Pilot- und Demonstrationsprogramm des Bundesamts f├╝r Energie BFE unterst├╝tzt. Der Schlussbericht ist ab Sp├Ątsommer auf der ARAMIS-Datenbank des Bundes ├Âffentlich einsehbar: aramis.admin.ch 

Mehr Infos findest du hier.

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