Ihr Browser ist veraltet und wird nicht mehr unterstützt. Zur fehlerfreien Betrachtung dieser Webseite benötigen Sie einen aktuellen Browser. Bitte führen Sie ein Upgrade auf einen moderneren Browser aus. Besten Dank.
Chrome Internet Explorer Safari Firefox

"Viele Menschen staunen, wie viel sie tatsächlich ausgeben."

Budget-Expertin Andrea Schmid-Fischer über oft vergessene Kosten, Alltagstipps und wie bereits Kinder lernen können, mit Geld umzugehen.

Frau Schmid, was erwarten Menschen, die bei Ihnen einen Termin buchen?
Eine neutrale, professionelle Aussensicht. Und natürlich praktische Tipps. Viele haben das dumpfe Gefühl, mit ihrem Budget könne etwas nicht stimmen. Oder wieso bliebe sonst so wenig Geld übrig am Monatsende? Wir schaffen Klarheit und zeigen auf, wohin Ihr Geld genau fliesst, wie Sie es besser steuern können und welche Rücklagen Sie brauchen, um jederzeit ruhig schlafen zu können.

Beraten Sie ausschliesslich Wenigverdiener?
Nein, denn nur weil jemand einen satten Lohn kassiert, heisst das noch lange nicht, dass ihn das Thema Geld nicht beschäftigt. Bei uns ist jeder willkommen, der Fragen hat. Beispielsweise junge Familien: Plötzlich ist nur noch ein Lohn da statt zwei, der Lebensstandard ist aber derselbe geblieben. Das geht in der Regel nicht lange gut. Es gilt, sich anzupassen und neu zu organisieren.

"Autos sind Geldvernichter und kommen bei uns natürlich zur Sprache."

Andrea Schmid-Fischer, Budgetberaterin

Steuern sind bestimmt ein oft unterschätzter oder gerne vergessener Kostenpunkt.
Absolut. Man sollte für vorhersehbare Rechnungen monatlich Rückstellungen zur Seite legen. Also nicht nur für Steuern, denn auch andere Auslagen sind so sicher wie das Amen in der Kirche – und überraschen viele Menschen trotzdem immer wieder. Zum Beispiel TV- und Rundfunkgebühren, die Franchise und der Selbstbehalt bei der Krankenkasse oder Ferien.

In Ländern wie Deutschland werden Krankenkassenprämien und Steuern direkt vom Lohn abgezogen.
Für mich eine super Lösung. Ein Direktabzug gibt einen viel besseren Überblick darüber, was man tatsächlich in der Tasche hat. Das Schweizer System kann einen schnell überfordern und zu gravierenden Fehleinschätzungen verleiten.

Apropos Fehleinschätzung: Viele Leute wissen nicht, dass ein Privatauto über CHF 10’000 pro Jahr kostet. Ein Thema in Ihrer Beratung?
Autos sind Geldvernichter und kommen bei uns natürlich zur Sprache. Sind sie aus beruflichen Gründen notwendig oder passen ins Budget, ist das eine Sache. Eine andere ist es jedoch, wenn dafür jemand bei Grundlegendem wie Essen oder Bildung spart. Dann schlagen wir Alternativen wie Mobility, ÖV oder das Velo vor.

Macht Kleinvieh eigentlich auch genug Mist, um etwas auf die hohe Kante zu legen?
Und ob! Viele Menschen staunen, wie viel sie tatsächlich für Kleider, Schuhe, Coiffure, Kosmetik oder Essen ausgeben. Genau hier bricht Haushalten unkontrolliert viel Geld weg.

Verstärken Zahlungsmittel wie Kreditkarten oder Apps solch unkontrollierte Ausgaben?
Das kann man nicht verallgemeinern. Jeder Mensch tickt anders. Junge Menschen sind sich bargeldloses Zahlen gewohnt, wobei dies sicherlich eines bedingt: Disziplin. Bei Kreditkarten findet die Belastung ja zeitverzögert statt. Da ist es wichtig, böse Überraschungen zu verhindern.

Ganz ehrlich: Ich glaube, es wäre mir zu mühsam, all meine Ausgaben genau zu kontrollieren.
Sie müssen das ja nicht laufend machen. Es reicht, ein, zwei Monate Buch zu führen, um die richtigen Schlüsse zu ziehen. Hauptsache ist, Sie konzentrieren sich auf die Einhaltung Ihres Budgets und fällen keine Entscheide mehr aus dem Bauch heraus oder weil der Kontostand gerade erfreulich ist. In diesem Zusammenhang möchte ich etwas Wichtiges anfügen.

Ja?
Es ist zentral, dass wir bereits in jungem Alter lernen, nachhaltig mit Geld umzugehen. Bereits kleine Kinder sollen verstehen, dass Sparen, Teilen und Ausgeben zusammengehören. Statt eines Fünflibers Taschengeld könnten Sie also einem Kind drei Zweifränkler auszahlen: einen, um zu kaufen, was es gerade will; einen fürs Sparschwein, und einen, um anderen etwas Gutes zu tun. Beispielsweise kann es seinem Gspändli etwas Süsses am Kiosk spendieren. Das ist ein Lerneffekt, der sich für immer einprägen wird.

Andrea Schmid-Fischer ist Präsidentin des Dachverbandes Budgetberatung Schweiz und Leiterin Budgetberatung der Frauenzentrale Luzern.

www.budgetberatung.ch / www.frauenzentraleluzern.ch