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"Frei schwebend" durch die Stadt

Freefloating, also Mobilitätsangebote ohne feste Standplätze, liegt weltweit im Trend. Auch Mobility bietet in Schweizer Städten Autos und Elektroscooter. Doch reduziert Freefloating den Verkehr? Und gibt es bereits ein Überangebot?

Schnell und flexibel durch die Stadt flitzen: Freefloating boomt rund um den Globus.

Man sucht und bucht sie spontan. Fährt auf Minutenbasis. Und stellt sie bei Fahrtende einfach in öffentlichen Zonen ab: Freefloating-Fahrzeuge. Ob Autos, Velos, Roller oder Trottis, sie erobern derzeit die Strassen dieser Welt.

Freefloating ist Zeichen einer wachsenden Mobilitätssharing-Welle. Zum Beispiel in Deutschland: Hier sind inzwischen 2,5 Millionen Carsharer aktiv, rund drei Mal so viele wie noch vor wenigen Jahren. Parallel dazu ist die Anzahl Anbieter auf 180 hochgeschnellt. Während kleinere Firmen oft auf stationsbasierte Modelle setzen, treiben grosse wie ShareNow (Daimler/BMW) Freefloating voran. Michael Gander, Leiter Corporate Development bei Mobility, überrascht das nicht: "Freefloating funktioniert dann gut, wenn Fahrzeuge überall in Gehdistanz erreichbar sind. Hierzu braucht es natürlich eine entsprechende Menge." So hat beispielsweise Zipcar letztes Jahr auf einen Schlag 700 VWs in London platziert. "Somit können nur Unternehmen mit einer gewissen Schlagkraft in diesen Markt einsteigen", weiss Gander.

"Freefloating bietet grossartige Verknüpfungsmöglichkeiten mit anderen Verkehrsmitteln. Deshalb bin ich überzeugt, dass es schon bald Kombiangebote verschiedenster Services geben wird."

Thomas Sauter-Servaes, Verkehrsexperte ZHAW School of Engineering

Zürich, die umkämpfte Sharing-Hochburg
In der Schweiz ist Mobility der bisher einzige Anbieter: 130 Mobility-Go-Autos stehen in Basel bereit, 100 in Genf. Hinzu kommen 200 Elektroscooter in Zürich. Allerdings wächst die Konkurrenz rasant – in Form von Freefloating-Velos oder -Trottinetts. So kommt es, dass die Limmatstadt laut der ZHAW-Studie "Shared Mobility" mit 6,6 Sharing-Fahrzeugen pro 1’000 Einwohner andere Grossstädte wie Berlin (5), London (2,1) und Wien (0,9) deutlich hinter sich lässt. Dass dabei einzelne Anbieter auf der Strecke bleiben, war absehbar. So musste das Singapurer Unternehmen O-Bike, das Zürich innert kürzester Zeit mit gelb-grauen Billigvelos flutete, bereits wieder Konkurs anmelden. "Im Moment läuft in Schweizer Städten ein grosses Experiment", beobachtet Thomas Sauter-Servaes, Verkehrsexperte an der ZHAW School of Engineering. "Nicht alle Konzepte werden überleben. Aber ich bin überzeugt, dass es schon bald Kombiangebote verschiedenster Services geben wird, die nicht nur das Privatauto vollständig ersetzen, sondern auch Spass machen, die Umwelt schonen und unsere Gesundheit fördern." Ob isoliert betrachtet stationsbasierte oder stationsunabhängige Sharing-Dienstleistungen erfolgreicher sein werden, sei irrelevant. "Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch." In dieselbe Kerbe schlägt Michael Gander: "Hauptsache, noch mehr Leute teilen Verkehrsmittel statt sie zu besitzen. Deshalb bieten wir bei Mobility verschiedenste Modelle aus einer Hand."

Umstrittene Wirkungsweise
Bleibt die Gretchenfrage: Vermag Freefloating-Carsharing den Verkehr zu reduzieren? Vom stationsbasierten Mobility-Angebot weiss man: Ein Carsharing-Auto ersetzt zehn Privatautos. Dies, weil die Nutzer nach ihrem Beitritt Mobilität bewusster einsetzen und oft auf Erst- oder Zweitfahrzeuge verzichten. Bei Catch a Car – dem Vorgänger von Mobility-Go – liegt die Quote laut ETH bei eins zu vier. Mit der Integration in die Mobility-Welt dürfte dieses Verhältnis weiter steigen. Anders sehen die Zahlen in Deutschland aus, wo die urbanen Dimensionen grösser sind und der ÖV anders angelegt ist. Eine Studie des Bundesverbands Carsharing zeigt, dass auf 1’000 Freefloating-Kunden 485 Privatfahrzeuge kommen – vier Mal mehr als bei stationsbasiertem Carsharing. Am besten schneiden Anbieter ab, die beide Modelle anbieten (104 Privatautos pro 1’000 Kunden). Car2Go und Drive Now (heute ShareNow) widersprachen übrigens: Ihre Kundenumfragen zeigten bessere Resultate.

Die Sharing-Welt dreht sich immer schneller
Eines ist klar: Die Mobilität verändert sich rasant. Ob selbstfahrende Autos oder Drohnentaxis, verschiedenste neue Technologien stehen in den Startlöchern. Für Mobility gilt es, auf die richtigen Pferde zu setzen und ökonomisch nachhaltig zu handeln. Auch im Bereich Freefloating: Erst will das Unternehmen sein Angebot in Zürich, Basel und Genf effizient zum Laufen bringen. "Danach entscheiden wir, welche weiteren Städte für Mobility-Go in Frage kommen", schlussfolgert Gander.