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KÖPFE

Wie nutzen eigentlich Sie Mobility, Stephan Klapproth?

Medienprofi und Sprachkünstler Stephan Klapproth über glückliche Lebensfügungen, Fake News und seine filmreife Verhaftung in Turkmenistan.

Ein Gesicht und ein Mundwerk, das jeder kennt: Stephan Klapproth bei einem TV-Einsatz am WEF.

Stephan Klapproth, meine Mattscheibe vermisst Sie. Wo sind Sie abgeblieben?
Ich bin von der hektischen, oft nur oberflächlich beleuchteten Tagesaktualität bei tieferschürfenden Sachanalysen gelandet. So unterrichte ich Journalismus an den Universitäten Genf und Neuenburg, bin fürs SRF als Ausbildner und für Sonderprojekte wie das WEF tätig, moderiere Wirtschaftskongresse und halte Referate zum Zeitgeschehen.

Was vermissen Sie an der grossen Fernsehbühne?
Das rote Licht der Livekamera und die Zusammenarbeit im Team. Herrlich finde ich hingegen das Leben ohne Routine-Sitzungen und dauernde Umstrukturierungen.

"Für die letzte Meile ist Mobility perfekt."

Stephan Klapproth

Dabei war auch Ihre Laufbahn von Umstrukturierungen geprägt: Sie haben Erfahrungen bei verschiedensten Medien gesammelt.
Mein Berufsweg fühlt sich an wie "Alice im Wunderland" für Journalisten: Ich wollte als 16-jähriger unbedingt für eine Zeitung schreiben – und fand einen Abend-Job beim "Luzerner Tagblatt". Ich wollte nach dem Politologiestudium fürs magische Medium Radio arbeiten – und erhielt eine tolle Stelle bei Schweizer Radio International. 1989 öffnete sich die Türe zu meiner Traumsendung "Echo der Zeit", für welche ich in Osteuropa von Freiheitsrevolution zu Freiheitsrevolution reiste. Ganz so, als wäre das Leben ein offenes Geschichtsbuch. Dann bot man mir den 10vor10-Moderatorensessel an, von dem aus ich das Weltgeschehen ein Viertelahrhundert lang an vorderster publizistischer Front mitverfolgen durfte.

Was treibt Sie an?
Fast grenzenlose Neugier und das Bedürfnis, tiefere Zusammenhänge zu verstehen. Meine Arbeit deckt sich bis heute mit persönlichen Leidenschaften und kommt mir deshalb gar nicht als solche vor. Sogar mit einem Jackpot-Gewinn in der Tasche würde ich nichts anderes tun wollen. Ich hab wohl wirklich Glück!

Bestimmt, denn dieses Glück hat Sie auch bei einigen Auslandeinsätzen nicht im Stich gelassen.
Richtig. Bei einer 10vor10-Reportagereise durch Zentralasien hat uns der KGB-Geheimdienst in Turkmenistan verhaftet. Weswegen war unklar, aber sie drohten uns mit vier Jahren Haft wegen Spionage. Wir wurden 30 Stunden im Nirgendwo festgehalten und verhört. Mit Glück konnten wir einen heimlichen Hilferuf an die Schweizer Botschaft absetzen und kamen kurz darauf wieder frei.

Eine unfassbare Geschichte. Haben Sie noch eine auf Lager?
In Zentralafrika war ich für eine Hilfswerkaktion in einem zweimotorigen Kleinflugzeug unterwegs. Wir überflogen Gebiete, in denen über Nacht ein Bürgerkrieg ausgebrochen war. Nicht nur drohte uns die Luftverkehrsüberwachung per Funk ungerührt mit dem Abschuss, nein, auch das rechte Triebwerk fiel mitten über dem Dschungel aus. Zum Glück flogen unsere Schutzengel mit.

In einem Interview zu Ihrem 55. Geburtstag sagten Sie: "Die Welt wird besser." Woran machen Sie diese Aussage fest?
Ich muss einräumen, dass das noch vor der Wahl Trumps war. Dieser blondhaarige Betriebsunfall der abendländischen Aufklärung lässt mich offen gestanden an meiner Aussage zweifeln. Aber wenn diese Phase erst mal überstanden ist, erfreue ich mich bestimmt wieder an Entwicklungen wie dem medizinischen Fortschritt oder der Abnahme von Gewalt.

Trump hat denn auch die Fake News aufs Tapet gebracht. Wie empfinden Sie das als Journalist?
Schlimm. Auch sorgfältig arbeitende Medien stehen plötzlich unter Generalverdacht, sich die Realität nach Wunsch zurechtzubiegen – wie es der US-Präsident selber tut. Denkfaule Wutbürger schlucken den populistischen Lügensirup und werden noch wütender. Allerdings sollten die Qualitätsmedien ihre Berichterstattung über die Provokationen von Donald Trump und Konsorten verfeinern: Man weiss aus der Sozialpsychologie, dass auch das Entlarven einer offensichtlichen Lüge zu deren Weiterverbreitung verhelfen kann.

Keine Fake News ist, dass Sie seit vielen Jahren und regelmässig Mobility nutzen. Zu welchem Zweck?
Ich bin ein begeisterter Zugfahrer, weil ich da stundenlang konzentriert lesen und schreiben kann. Für die "letzte Meile" aber ist ein Auto, das am Bahnhof auf mich wartet, perfekt. Als ich vor etwa zwanzig Jahren erstmals von Carsharing hörte, hat mir das Prinzip sofort eingeleuchtet.

Hat immer bestens geklappt?
Fast. Am Geburtstag meiner Frau mietete ich vor Jahren einen nagelneuen VW-Beetle für einen Ausflug aufs Land. Kaum sassen wir im Wagen, verriegelte die etwas gar empfindlich eingestellte Diebstahl-Erkennung das Auto automatisch – und in Form ohrenbetäubenden Dauerhupens ging der Alarm los. Nach zehn Minuten und vielen skeptischen Blicken von Passanten gab die Alarmvorrichtung auf und wir kamen erhobenen Hauptes und mit temporärem Tinnitus frei.

Wenn Sie einen Wunsch an Mobility offen hätten, welcher wäre das?
Ich würde an einem schönen Sommertag wie jetzt gerne mal wieder ein Trike ausfahren – eine dreirädrige Harley, wie ich sie einmal auf einer Reportage-Tour quer durch Amerika steuern durfte. Vielleicht liesse sich sowas ins Sortiment aufnehmen. Aber natürlich erst, wenn die Dinger elektrisch fahren…