Ihr Browser ist veraltet und wird nicht mehr unterstützt. Zur fehlerfreien Betrachtung dieser Webseite benötigen Sie einen aktuellen Browser. Bitte führen Sie ein Upgrade auf einen moderneren Browser aus. Besten Dank.
Chrome Internet Explorer Safari Firefox

"In fünf Jahren wollen alle Elektroautos."

Kaum ein Thema wird derzeit heisser diskutiert als Elektromobilität. Ob Nachhaltigkeit, Reichweite oder Preis: Wir haben "Elektro-Papst" Prof. Dr. Andrea Vezzini auf den Zahn gefühlt. Er ist Leiter des BFH-Zentrums Energiespeicherung an der Berner Fachhochschule.

Andrea Vezzini, Elektromobilität ist das Schlagwort der Stunde. Kurzfristiger Hype oder langfristiger Trend?

Der Ausstieg aus der fossilen Energie ist weltweit eine der dringendsten Fragen, auf die es Antworten zu finden gilt. In der Schweiz werden 39% des CO2-Ausstosses durch den Verkehr verursacht, Flüge ausgeklammert. Deshalb hat die Elektrifizierung in Richtung Batterie-Elektroauto ein enormes Potenzial.

Wieso sind Sie sich da so sicher?

Weil es bei der Entwicklung der Lithium-Ionen-Batterie massive Fortschritte gibt. Und weil nun auch die grossen Autohersteller bereit sind, Elektromobilität intensiv zu erforschen und weiterzuentwickeln. E-Autos sind besser zu konstruieren als Verbrennungsmotorfahrzeuge. So brauchen ihre Motoren weniger Platz als bei Diesel- oder Benzinfahrzeugen, was beispielsweise Möglichkeiten zur Verbesserung der Sicherheit und der Fahrdynamik bietet.

Sie haben die Batterie angesprochen. Deren Herstellung ist umstritten.

Ja, das ist eine berechtigte Diskussion. Wenn die Batterie unter hoher CO2-Belastung hergestellt und geladen wird, braucht ein Fahrzeug wie der e-Golf bis zu 125’000 Kilometer, bis es unter dem Strich eine positive CO2-Bilanz erreicht. Wird bei der Produktion und im Betrieb aber erneuerbare Energie verwendet, sind bei der Batterie Einsparungen von bis zu 80% möglich.

Ist das Recycling der Batterie in der Industrie überhaupt ein Thema?

Natürlich. Es gibt Konzepte und Herstellungsprozesse, die beweisen, dass über 92% der Batterie rezyklierbar sind. Die Technologie ist da, nur baut heute niemand eine Rezyklieranlage, weil bis jetzt noch alle Batterien in den Autos sind. Grosse Anstrengungen werden übrigens auch bei der Rohstoffgewinnung unternommen, damit diese möglichst nachhaltig und sozial verträglich ist.

Die Batterien halten also lange?

Entscheidend ist die zyklische Lebensdauer. Sie gibt an, wie oft die Batterie auf- und entladen werden kann. Wenn ein Zyklus für 400 Kilometer reicht, kommt man bei 1’000 Zyklen auf 400’000 Kilometer. Bei neuen Elektroautos hält die Batterie damit länger als das Fahrzeug. Spannend ist übrigens, dass bei der Lithium-Ionen-Batterie der Energieumsatz zunimmt, wenn sie nur teilentladen wird. Somit sind noch höhere Laufleistungen möglich. Tesla redet schon vom "1-Million-Kilometer-Auto".

Apropos Reichweite: Der Mobility-Zoe kommt bis zu 400 Kilometer weit. Genug?

Ja. Ich glaube, die Reichweite ist heutzutage kein Faktor mehr. Dazu kommt, dass man in der ganzen Schweiz die Ladestationen ausbaut.

Wer treibt das voran?

Der Bund, und er macht das relativ geschickt. Er lanciert Schnellladestationen auf Rastplätzen entlang der Schweizer Nationalstrassen. Diese werden bis in zwei Jahren fertig und in der Lage sein, innerhalb von 20 Minuten Energie für etwa 100 bis 150 Kilometer aufzuladen. Die perfekte Dauer für einen Kaffeestopp.

Wie sieht die Situation in den Städten aus?

In urbanen Gebieten gibt es grössere Herausforderungen. Ich habe da ein Bild von Oslo im Kopf, auf dem Parkplätze standardmässig über Ladesäulen verfügen. Auch in der Schweiz wären sicherlich Städte und Gemeinden gefragt, entsprechende Konzepte und Umsetzungen voranzutreiben.

Leider sind die Preise der Autos noch sehr hoch. Wie werden sie sich entwickeln?

Die Hersteller werden versuchen, Elektrofahrzeuge im gleichen Preissegment wie die jetzigen Verbrennungsmotormodelle anzubieten. Somit haben wir die Situation, dass wir ein besseres Auto für den gleichen Preis kaufen können, das im Unterhalt sogar weniger kostet. Aus Sicht der Käufer ist das der sogenannte "Kipppunkt". Vergleichen Sie es mit dem Touchscreen auf Smartphones: Plötzlich wollte niemand mehr ein Telefon mit Tastatur. Ich bin überzeugt, dass der Kipppunkt bei den Elektrofahrzeugen in den nächsten vier bis fünf Jahren kommt.