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NACHGEFRAGT

Das Trend-Orakel

Karin Frick braucht für ihre Arbeit am Gottlieb Duttweiler Institut vor allem eines: Weitblick. Die Ökonomin erforscht und analysiert Trends in Wirtschaft und Gesellschaft und gilt als Expertin der Sharing Economy. Wir haben sie in Zürich getroffen.

Karin Frick prognostiziert der Sharing Economy eine grosse Zukunft.

Karin Frick, wie passt das Teilen zum oft als egoistisch verschrienen Homo sapiens?
Teilen gehört zum Wesen der Menschen und ist eine grundlegende Form jenes Verhaltens, das Beziehungen innerhalb einer Gemeinschaft regelt. Bereits seit Urzeiten teilen wir Menschen Essen, Wohnräume und was es sonst zum (Über-)Leben braucht, sei dies aus Not, Liebe oder Spass.

Im Zuge der Digitalisierung etablieren sich neue Lebensstile, deren zentraler Bestandteil das Teilen ist.

Karin Frick, Leiterin Research beim GDI

Zum Essen und Wohnen sind alle erdenklichen Alltagsgüter hinzugekommen. Wie war das möglich?
Das rasante Wachstum der Sharing Economy basiert auf den sozialen Netzwerken. Ein gutes Beispiel ist Facebook: Der "Teilen"-Button wurde über die Jahre von Informationen auf materielle Dinge ausgeweitet. Daraus entstand eine neue Normalität: Nutzen ist wichtiger als Besitzen; und mit jedem geteilten Gegenstand wächst die Lust, dieses Modell auch auf andere Lebensbereiche zu übertragen.

Studien zeigen aber, dass viele Schweizer nicht teilen, auch wenn sie grundsätzlich bereit dazu wären.
Wir leben hierzulande in einer Wohlstandsgesellschaft und besitzen wohl eher zu viel als zu wenig. Wenn fast alle Haushalte eigene Werkzeuge, Camping-Ausrüstungen oder Schlitten haben, gibt es nur wenig Bedarf, diese Mitmenschen zugänglich zu machen. Schweizer teilen deshalb nicht aus ökonomischen Gründen, sondern aus sozialen oder emotionalen: Wer mitmacht, gewinnt Freunde, Anerkennung und damit mehr Selbstbewusstsein und Zufriedenheit. Sowieso ist es nur eine Frage der Zeit, bis alle in den Trend einsteigen.

Was macht Sie da so sicher?
Teilen ist smart und zukunftsweisend: Man bleibt beweglicher ohne schweres Gepäck, grossen Hausrat oder eigenes Auto. Im Zuge der Digitalisierung etablieren sich neue Lebensstile, deren zentraler Bestandteil das Teilen ist.

Davon will nun eine ganze Schwemme an Start-up-Unternehmen profitieren.
Ja, aber Geld verdienen damit bisher nur wenige – und die, die es tun, verteilen ihre Gewinne höchst ungleich. So basiert Facebooks Wert auf jenem Inhalt, welchen seine Nutzer produzieren und teilen. Den monetären Gewinn daraus teilt Facebook aber nicht.

Wird sich das denn je ändern?
Je mehr sich die Nutzer ihrer Macht bewusst werden, desto mehr wollen sie auch am finanziellen Erfolg beteiligt werden. Langfristig werden deshalb vor allem Plattformen Erfolg haben, auf denen nicht nur Fotos, Musik, Autos und Sofas geteilt werden, sondern auch die Gewinne.

Mobility beteiligt ihre Genossenschafter mit dem Erlass von Jahresgebühren und mit Fahrtrabatten.
Auch dieser Ansatz funktioniert. Es geht einfach darum, dass die Unternehmen nicht nur nach Gewinnmaximierung streben, sondern auch ihre Kunden belohnen.