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NACHGEHAKT

"Wir müssen umdenken."

Der Schweizer Think Tank W.I.R.E. beschäftigt sich mit Entwicklungen in Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Leiter Stephan Sigrist spricht mit uns über verstopfte Strassen, intelligente Städte und die Rolle des Privatautos in der Zukunft.

Stephan Sigrist blickt von Berufes wegen in die Zukunft.

Stephan Sigrist, die Städte wachsen unaufhörlich. Wie wirkt sich das auf die Mobilität aus?
Die Urbanisierung entlastet den Mobilitätsbereich, denn die Leute legen weniger Kilometer zurück, um beispielsweise zu ihrem Arbeitsort oder zum nächsten Shop zu gelangen. Das ist im Grundsatz eine positive Entwicklung.

"Eine Smart City ist für mich ein Ort, der grösstmögliche Lebensqualität bietet."

Dr. Stephan Sigrist, Gründer und Leiter von W.I.R.E.

Schön und gut, aber die städtischen Verkehrssysteme halten der steigenden Nutzerzahl doch kaum stand?
Genau hier liegt das Problem. Nicht nur London oder New York droht der Verkehrskollaps, auch Zürich ist zu Stosszeiten schon nahe dran. Deshalb ist es elementar, dass wir umdenken, neue Verkehrskonzepte vorantreiben und diese mit der städtischen Raumplanung abstimmen.

Was heisst das konkret?
Die Liste der möglichen Massnahmen ist lang: Wir müssen Mikroinfrastrukturen kreieren, damit jeder Einwohner möglichst vieles in möglichst kurzer Distanz erreichen kann; Immobilität ist also sozusagen der Luxus von morgen. Dazu gehört natürlich, verdichtet zu bauen und gleichzeitig Grünflächen zu schützen. Auch intelligente Verkehrsführungssysteme, die mir beispielsweise prognostizieren, wann ich wo in einen Stau geraten könnte, sind Teil der Lösung, genauso wie ein möglichst einfacher Zugang zu Transportmitteln. Dabei wird es wichtig sein, die realen Kosten des Verkehrs verursachergerecht abrechnen zu können.

Inwiefern ebnen die genannten Massnahmen den Weg für Smart Cities?
Sie sind Puzzleteile eines grossen Ganzen. Eine Smart City ist für mich ein Ort, der Menschen grösstmögliche Lebensqualität bietet. Dazu gehören einerseits Räume für menschliche Begegnungen und für soziale Aktivitäten, andererseits der Einsatz von technologischen Innovationen: Strassenbeleuchtungen, die sich automatisch den Lichtbedingungen und dem Verkehrsaufkommen anpassen, Häuser, die sich erst heizen, kurz bevor jemand nach Hause kommt, Verkehrsmittel, die miteinander kommunizieren. Solche Möglichkeiten bieten riesiges Potenzial. Allerdings sind damit auch Grundsatzfragen verbunden, die geklärt werden müssen. Wem gehören welche Daten? Und welchen Nutzen haben Bürger davon, sich tracken zu lassen?

Wird es in einer Smart City überhaupt noch Privatautos geben?
Für alltägliche Dinge wie Einkäufe werden die Menschen zwar viel stärker auf effiziente Systeme wie Carsharing setzen. Wenn es aber um Status geht, spielt das Privatauto auch künftig eine Rolle. Deshalb erachte ich es für Mobility als wichtig, weiterhin auch Autos anzubieten, die ein gewisses Statusdenken bedienen.

Mehr Informationen: www.thewire.ch