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FOKUS

Das Glück im Wenigen

Wir horten und konsumieren, als ob es kein Morgen gäbe. Durchschnittlich 10’000 Dinge besitzen Herr und Frau Schweizer. Nur: Macht uns das glücklich?

In Zeiten des Überflusses zu verzichten, ist gleichermassen herausfordernd wie belohnend.

Die Echtlederschuhe mit der hübschen Silberschnalle. Das Tortenstück mit dem verführerischen Sahnehäubchen. Die 7-Uhr-Zigarette an der kühlen Morgenluft. Nein, die hierfür nötige Zurückhaltung ist nicht das, was eine wachsende Zahl an Menschen unter Verzicht versteht. Verzicht bedeutet für sie vielmehr die Lust, sich räumlich und geistig von unnötigem Ballast zu befreien und ihre beschränkte Erdenzeit Wichtigerem zuzuwenden als dem Entstauben eines überquellenden DVD-Regals.

Unfassbare 10’000 Dinge häuft ein Europäer laut Statistik an, welche in der Schweiz auf eine durchschnittliche Wohnfläche von 40 Quadratmetern untergebracht werden. Kaum möglich, dass wir diese Gegenstände wirklich alle benötigen. Wieso also klammern wir uns so sehr an sie?

"Menschen projizieren ideelle Werte in ihre Gegenstände."

Martina Frischknecht, Aufräumcoach

Von der Mühe, loszulassen
"Ich stelle immer wieder fest, dass Leute falsche Preisvorstellungen von ihren Besitztümern haben", antwortet Martina Frischknecht auf diese Frage. Als Aufräumcoach hilft sie dabei, Ordnung in Wohnungen, Büros und Keller zu bringen und Unnötiges loszuwerden. Der zu enge Pulli aus den Schottland-Ferien, das nie benutzte Tee-Service von Oma – "Menschen projizieren ideelle Werte in ihre Gegenstände", weiss die 40-Jährige. Diese emotionale Bindung verneble nicht nur unsere Wahrnehmung des materiellen Gegenwerts, sondern hindere uns im doppelten Sinne am Loslassen: "Mit jedem Gegenstand geben wir auch ein Stück Sicherheit, Vertrautheit und Erinnerung weg." Wissenschaftliche Experimente zeigen, wie schnell solche Reflexe greifen: Bekommen Versuchspersonen eine Tasse geschenkt und wird ihnen angeboten, diese gegen Schokolade einzutauschen, wollen das nur die wenigsten tun. Erhalten sie zuerst die Schokolade, möchten sie sie nicht für die Tasse hergeben.

Tricksen wie die Profis
Vor solchen Denkmustern ist auch Alan Frei (siehe Interview) nicht gefeit. Allerdings weiss er sie mit vielfältigen Methoden auszuhebeln: Begehrt er etwas Neues, leiht er es zuerst von einem Freund aus. "Der Reiz verfliegt bei mir meistens nach zwei Wochen." Kauft er etwas, muss Altes weichen. Teilen und digitalisieren? Wann immer möglich. Zudem verschenkt Alan jene Dinge an Verwandte und Bekannte, die ihm zwar nicht mehr von Nutzen sind, aber dennoch lieb und teuer. "Zu wissen, dass nun jemand anderes Freude an meinen Sachen hat, hilft mir, mich zu trennen", erklärt der Zürcher, der in seinem Leben aktuell mit lediglich 119 Dingen auskommt. Der Lohn, der ihm sein minimalistischer Lebensstil zurückzahlt, ist ein Gefühl der Unabhängigkeit, der Leichtigkeit, der Freiheit. Die gute Nachricht: Um sich ein Stück dieses positiven Gefühlskuchens abzuschneiden, müssen Sie keine 9’900 Dinge loswerden. Das Glück beginnt im Kleinen: Schon ein ausgemisteter Kleiderschrank vermag Ihnen einen tiefen Seufzer der Erleichterung entlocken. Eine generelle Hilfestellung bietet dabei folgende Regel: Alles, was zwölf Monate lang nicht vermisst, benutzt oder getragen wurde, ist ein Kandidat auf ein Nimmerwiedersehen. Räumen sollte man übrigens nur eine Viertelstunde pro Tag, rät "Frau Ordnung" Martina Frischknecht. "Leute, die sich zu viel vornehmen, blasen die Übung oft schnell wieder ab." Mit dem Resultat, ein grösseres Durcheinander zu haben als zuvor.

Erlebnisse und soziale Kontakte sind die wahren "Glücksbringer".

Umgang mit Überfluss: Nie gelernt
Eines ist klar: Zu viele Dinge zu besitzen ist ein Luxusproblem. Für ältere Generationen war Besitz gleichbedeutend mit Sicherheit, Status und Fortschritt; wenn man bunkerte, dann aus Angst vor Mangel. Das hat sich verändert. Der technische Fortschritt, das Wirtschaftswachstum und die Digitalisierung lassen heute viele Gesellschaften im Überfluss schwelgen. Die Preise für Nahrungsmittel oder Technik beispielsweise sind inzwischen so tief, dass fast alle fast alles haben können. "Glücklicherweise", gilt es einerseits zu sagen. Andererseits – da sind sich Forscher einig – ist das Phänomen des Überflusses derart jung, dass die Leute noch nicht gelernt haben, ihre Konsumgewohnheiten darauf anzupassen. So sitzt alleine in den USA jeder Haushalt durchschnittlich auf Kreditkartenschulden von 8’400 Dollar. Und auch wir Schweizer leben auf grossem Fuss: Würden alle Erdenbürger so viele Ressourcen verbrauchen, wären 2.8 Erden nötig, um den Bedarf zu decken.

Glück ist nicht materiell
Nun, trotz alledem ist die Hoffnung berechtigt, dass heranwachsende Generationen anders mit ihren grenzenlosen Konsummöglichkeiten umgehen werden. Ganz einfach, weil es für sie normal ist, die Wahl zu haben; weil sie Dinge teilen, anstatt sie zu besitzen; und wer weiss, vielleicht auch weil die Glücksforschung künftig mehr Gehör findet. Sie zementiert nämlich, was wir insgeheim alle schon lange wissen: Es sind Erlebnisse und soziale Kontakte, welche uns nachhaltiges Glück bescheren, nicht die materiellen Dinge. Darum nichts wie los zum Alphüttenplausch mit Freunden – oder was auch immer Ihnen ein Lachen aufs Gesicht zaubert!

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