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NACHGEHAKT

"Es ist schwierig, Gegensteuer zu geben"

Carpooling sei ein richtiger und wichtiger Weg hin zu nachhaltigerer Mobilität, meint Verkehrsexperte Thomas Sauter-Servaes. Ein Weg jedoch auch, der Stolpersteine bereithält.

Verkehrsexperte Thomas Sauter-Servaes leitet den ZHAW-Bachelorstudiengang "Verkehrssysteme".

Mobility lanciert eine neue Mitfahrplattform. Was sagen Sie dazu?
Das ist toll und mutig zugleich. Schon viele Anbieter haben ihr Glück versucht – erfolglos. Deshalb bin ich gespannt, welche Erfahrungen Mobility machen wird.

Carpooling. An was denken Sie, wenn Sie dieses Wort hören?
An Effizienz. Für mich ist klar: Wir haben in der Schweiz kein Problem mit der Infrastruktur, sondern mit der Auslastung der Verkehrsmittel. Dass zu Hauptverkehrszeiten praktisch jedermann alleine im Auto sitzt, hat negative Auswirkungen auf Verkehr, Umwelt und unser aller Gesundheit. Allerdings ist es schwierig, dem Gegensteuer zu geben.

"Wir haben in der Schweiz kein Problem mit der Infrastruktur, sondern mit der Auslastung der Verkehrsmittel."

Thomas Sauter-Servaes

Wieso?
Weil äussere Anreize, welche meines Erachtens den Nährboden für den breiten Erfolg von Carpooling bilden, politisch kein Gehör finden. Zum Beispiel Carpool-Lanes, also Fahrspuren für Autos mit hohem Besetzungsgrad, wie wir sie aus den USA kennen. Warum gibt die Schweiz nicht auch den Standstreifen für gut besetzte Autos frei, zumindest zu gewissen Tageszeiten? Und noch wichtiger: Weshalb wird der Strassenund Schienenverkehr weiterhin derart subventioniert?

Sie sagen, der Verkehr ist zu billig?
Absolut, die realen Kosten liegen um ein Vielfaches höher als das, was die Nutzer bezahlen. Es gibt also keinen finanziellen Leidensdruck, und dies wiederum hemmt natürlich die Durchschlagskraft von Carpooling.

Mobility-Carpool setzt nicht nur auf monetäre Anreize, sondern auch auf andere Faktoren wie das gemeinsame Erlebnis.
Das ist auch gut so, denn gerade junge Leute finden das wichtig. Ausserdem ist es sicherlich von Vorteil, dass eure Kunden nachhaltig veranlagt und grundsätzlich bereit sind, Dinge zu teilen. Allerdings besteht ein grosser Unterschied darin, ob es sich dabei um Fahrzeuge handelt – oder eben um die Fahrt an sich. Schweizer wollen meist viel Eigenraum.

Es braucht also Überzeugungsarbeit.
Genau. Früher hat man immer gedacht: Wenn es erst einmal Zugänge gibt, wird Carpooling ins Rollen kommen. Nun sind sie da – und man merkt, dass die Arbeit damit längst nicht getan ist.

Wie steht es eigentlich um Sie selber? Haben Sie je Mitfahrgelegenheiten angeboten oder genutzt?
Nein, ich bin passionierter ÖV-Fahrer. Das Auto brauche ich vor allem, wenn ich mit meiner Familie unterwegs bin – und dann ist kein Sitz mehr frei. Fahrgemeinschaften bilde ich, wenn ich beispielsweise mit Freunden ein Konzert besuche. Dann macht es Sinn, gemeinsam zu fahren anstatt jeder alleine.