Positiver Stress ist einer der Gr├╝nde, warum ich K├╝nstlerin geworden bin

Zusammen mit der Gewinnerin des Watson-Young-Wettbewerbs Cristina erhielt Gigga Hug die M├Âglichkeit, ein Auto der Mobility-Flotte zu gestalten. Wir haben mit der Berner K├╝nstlerin ├╝ber Kunst am fahrenden Objekt, virtuelle Zusammenarbeit und positiven Stress gesprochen. Und nat├╝rlich ├╝ber Autos.

10.03.2022

  • Lifestyle

┬źEin Auto mit Mahlzeiten, Essen und Tampax f├╝llen und an Obdachlose verteilen┬╗, lautete der Satz, mit dem Cristina den Mobility-Young-Wettbewerb gewonnen hat. Welche Rolle spielte er bei der Gestaltung des Autos?

Anfangs bestand der Plan, tats├Ąchlich etwas mit Bildern von Lebensmitteln zu machen. Uns wurde aber schnell klar, dass sich eine abstrakte Gestaltung f├╝r ein Auto besser eignet. Wir wollten etwas Fr├Âhliches und Buntes machen, das optisch auff├Ąllt.

« ┬źUns wurde (...) schnell klar, dass sich eine abstrakte Gestaltung f├╝r ein Auto besser eignet.┬╗ »

Wie habt ihr das Design erarbeitet?

Pandemiebedingt habe ich keine der am Projekt beteiligten Personen real getroffen, auch Cristina nicht. Stattdessen hat sie auf meinem Instagram-Account nach den Arbeiten gesucht, die ihr am besten gefallen und zum Projekt passen k├Ânnten. Dann habe ich Vorschl├Ąge geschickt, die sie wiederum per SMS kommentiert hat, bis wir uns bei einem Motiv gefunden haben.

Frontansicht des ersten Mobility Kunstautos

Und wie hast du die Motividee konkret umgesetzt?

Ich habe Bilder mit kontrastreichen Fl├Ąchen und ohne weisse Zwischenr├Ąume gemalt. Nebst dem Rot von Mobility habe ich Gelb, Gr├╝n und Blau genutzt ÔÇô Farben, die bunt und lebendig wirken. Anschliessend habe ich die Bilder mit der Glitch-App digital zerlegt. Dabei gehe ich immer stark intuitiv vor und verfremde die Bilder so lange, bis eine neue spannende Optik entsteht, die mir gef├Ąllt. In diesem Fall sollten Farbfl├Ąchen entstehen, die so aussehen, als ob sie mit steigender Geschwindigkeit des Fahrzeugs nach hinten fliessen.

« Von einer flachen Bildfl├Ąche zu einer 3D-Gestaltung mit gebogenen Fl├Ąchen zu gelangen, war tats├Ąchlich anspruchsvoll. »

Du arbeitest normalerweise mit geraden Fl├Ąchen, bei einem Auto ist alles gebogen. War das besonders schwierig?

Von einer flachen Bildfl├Ąche zu einer 3D-Gestaltung mit gebogenen Fl├Ąchen zu gelangen, war tats├Ąchlich anspruchsvoll. Zum einen, weil ich sonst mit kleineren Formaten arbeite und nur wenig Erfahrung habe mit grossen Dateien. Zum anderen, weil die Zusammenarbeit bei diesem Projekt rein virtuell erfolgte. Normalerweise arbeite ich f├╝r grosse Drucke mit dem Berner Drucker und Galeristen Tom Blaess zusammen. Ich kann die Resultate jeweils vor Ort begutachten, besprechen und ├╝berarbeiten. Bei diesem Projekt wurden Folien genutzt, die ich nie mit eigenen Augen gesehen habe.

« Jedes Projekt fordert einen auf eigene Weise heraus, da man die Arbeit je nach Format und Raum ganz anders angehen muss. »

Das ganze Projekt dauerte f├╝nf Wochen. Eine stressige Zeit?

Es musste alles sehr schnell gehen, doch bei neuen Herausforderungen ist das Stressniveau so oder so immer hoch. Man kennt die Prozesse nicht und ist unsicher, ob sich die k├╝nstlerische Idee ├╝berhaupt praktisch umsetzen l├Ąsst. Aber ich f├╝hle mich immer wie elektrisiert, wenn ich etwas ganz Neues realisieren darf. Jedes Projekt fordert einen auf eigene Weise heraus, da man die Arbeit je nach Format und Raum ganz anders angehen muss. Und ja, das ist ein Stress, aber ein sogenannter Eustress ÔÇô ein positiver Stress, der einen antreibt. Diese Energie ist einer der Gr├╝nde, warum ich K├╝nstlerin geworden bin.

Hast du etwas gelernt, was du f├╝r k├╝nftige Werke nutzen kannst?

Ja, vor allem bez├╝glich der Arbeit mit grossen Formaten. Das ist sehr hilfreich, denn Museen m├Âgen es, wenn Werke optisch mehr Platz einnehmen.

Welche Beziehung hast du eigentlich zu Autos generell?

Es gibt Marken, die ich toll finde, und solche, die ich eher nicht besitzen m├Âchte. Auch sehr alte Autos ├╝ben auf mich einen Reiz aus, weil sie viele innere Bilder ausl├Âsen. Aber ich lebe seit meiner Studienzeit immer in der Stadt und habe zwar einen F├╝hrerschein, war aber noch nie im Besitz eines Autos. Dass ich im Alltag kein Auto ben├Âtige, erlebe ich als Lebensqualit├Ąt.

Du f├Ąhrst also gar nie Auto?

W├Ąhrend der Pandemie habe ich ein Fahrzeug vermisst, das man allein nutzen kann. Darum m├Âchte ich nun wieder selbst fahren, elektrisch nat├╝rlich, und werde wohl ein paar Fahrstunden nehmen. Dazu werde ich mir wohl das Auto meiner Eltern leihen, Mobility ist nat├╝rlich auch eine Option.

Apropos: Das von dir gestaltete Mobility-Auto f├Ąhrt zurzeit in Z├╝rich, du wohnst in Bern. Findest du es nicht schade, dass du es bisher noch nicht live auf der Strasse gesehen hast?

Doch! Aber bestimmt f├Ąhrt es dieses Jahr einmal in Bern, dann kann ich es auch mal fahren! So oder so w├╝rde es mich freuen, wenn Passanten oder Fahrer Fotos schiessen w├╝rden, wenn sie das Auto auf der Strasse sehen. Dann k├Ânnte ich es immerhin virtuell sehen, immer wieder mit einem neuen Hintergrund.

Wer Giggas Wunsch erf├╝llen will, ist herzlich eingeladen, Bilder des Kunstwerks auf R├Ądern auf Instagram zu teilen.

@mobility_carsharing

#mymobilitymoment

Die K├╝nstlerin Gigga Hug

Die Bernerin Gigga Hug widmet sich in ihrer Kunst der Schnittstelle von analog zu digital. Mithilfe digitaler Tools verfremdet sie analoge Malereien oder Bilder so lange, bis sich das erkennbare Bild aufl├Âst und etwas komplett Neues entsteht. Unter den makellosen, per App erstellten Bildoberfl├Ąchen bleibt der organische Ursprung ihrer Werke dennoch immer sp├╝rbar. Seit 2019 sind einzelne ihrer Werke als NFT (Non Fungible Token) erh├Ąltlich. NFT sind digitale Kunstwerke, deren Eigent├╝merschaft auf einer Blockchain gespeichert wird und daher zweifelsfrei nachgewiesen werden kann. Giggas digitale Kunstwerke findet ihr auf der NFT-Handelsplattform elementum.art.

Gigga Hug ist ausgebildete Sekundarlehrerin und verf├╝gt ├╝ber ein Zertifikat in Kunst- und Museumsp├Ądagogik sowie Kulturvermittlung des Aargauer Kunsthauses. Seit 2005 werden ihre Werke an Ausstellungen im In- und Ausland gezeigt, zudem unterrichtet sie Bildnerisches Gestalten an einem Berner Gymnasium.

https://giggahug.com/

https://www.elementum.art/en/artists/gigga-hug-61/

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