Willkommen in der Generation Z

Ein Leben vor allem für die Karriere war gestern: Die heutige junge Generation träumt von Sinnhaftigkeit, klar abgegrenzter Freizeit und mehr Work-Life-Balance.

19.08.2021

  • Zukunft

  • Lifestyle

Sie werden «Gen Z» genannt: Die zwischen 1995 und 2010 geborenen jungen Menschen. Tatsächlich gibt es einige Besonderheiten bei dieser Generation, die derzeit zwischen 11 und 26 Jahren alt sind. Aber welche?

Generation wenige

Da wären einmal die demographischen Faktoren. Laut Generationenforscher und Psychologe Rüdiger Maas gilt sie als kleinste Alterskohorte in der Neuzeit: Sie ist um etwa 4,6 Millionen Menschen kleiner als die Generation X, die zwischen 1965 und 1979 geboren wurde. Dies wirkt sich auch auf die wirtschaftlichen Verhält-nisse aus, wie du weiter unten erfahren wirst.

Generation digital

Smartphone und Tablet, Tiktok und Instagram: Die Gen Z besteht aus wahren «Digital Natives». Weder kennen sie noch einen Alltag ohne moderne Technologien und digitale Medien, noch können sie sich ihn überhaupt vorstellen. Analoge und digitale Welt sind von Kindsbeinen an untrennbar verschmolzen. «Über 99 % der Gen Z haben ein Smartphone. Das hat es in der Geschichte der Menschheit noch nie gegeben, dass nahezu alle ein ähnliches Gerät besitzen, mit dem sie vier bis sechs Stunden täglich beschäftigt sind», so Rüdiger Maas. Potenziell ständig online, wird die heutige junge Generation deshalb auch als «Zoomer», «Generation always on» oder als «iGeneration» bezeichnet. Die Digitalisierung trägt auch dazu bei, dass sich die Jugendlichen über ein paar Klicks mit Menschen aller Kontinente, ihren Lebenswelten und Meinungen verbinden können.

Generation Z am Mobile Phone

Über 99 % der Gen Z haben ein Smartphone, mit dem sie vier bis sechs Stunden täglich beschäftigt sind

Generation Content

Das digitale Leben bringt eine Fülle von Informationen und Inhalten ins Leben der Gen Z. Social Media ermöglichen es darüber hinaus, eigenen Content zu produzieren, eigene Themen zu setzen und schnell eine Reichweite zu erlangen. Wie bei allen Lebensumständen, gehen auch hier Risiken und Chancen Hand in Hand: ständige Erreichbarkeit vs. schnelle Vernetzung; hohe Reizflut vs. schnell zugängliche Fülle von Informationen; Druck zur Selbstdarstellung vs. Möglichkeiten zum kreativen Selbstausdruck.

Generation Wohlstand

Ein weiterer demographischer Faktor ist der relative Wohlstand, in den diese jungen Menschen hineingebo-ren wurden. «Vor Corona hatten wir Vollbeschäftigung, was bedeutet, dass die Generation Z auf nichts verzichten muss», so Rüdiger Maas. Was sich zusammen mit der relativ kleinen Kopfzahl der Gen Z wiederum auf Werte, Statusdenken und berufliche Lebensgestaltung auswirkt: «Wenn über 4 Millionen Menschen mehr in Rente und Pension gehen, als nachkommen, habe ich es leicht auf dem Arbeitsmarkt.»

Generation Work-Life-Balance

Daraus ergibt sich ein anderer Fokus im Leben: Langjährige Treue zu einer Arbeitsstelle, Vollbeschäftigung und eine steile Karriere haben für die Gen Z eine viel geringere Bedeutung als für vorherige Generationen; wichtiger geworden sind genügend Freizeit, eine gute Work-Life-Balance und eine klar abgegrenzte Arbeitszeit. Überstunden abends oder gar am Wochenende haben in der Idealvorstellung einer Karriere nichts mehr verloren. «Klare Strukturen sind gefragt, die konsequent eingehalten werden», so Maas. Darum stehen Möglichkeiten wie Homeoffice oder flexible Arbeitszeiten nicht mehr so hoch im Kurs. Die Studie «Junge Deutsche 2021» von Jugendforscher Simon Schnetzer zeigt, dass 44 % der jungen Generation als grösste Motivation für Leistung nicht Geld oder Prestige, sondern Spass nennen. Ausserdem, fügt Simon Schnetzer an, dass die Gen Z und auch schon die Gen Y viel mehr Aktivitäten in ihrem Alltag unterbringen müssen als frühere Generationen – «und wenn es nur gefühlt so ist.» Darum sind Teilzeit-Arbeitsstellen für viele junge Menschen das neue Ideal. Nicht die steile Karriere, sondern individuelle Bedürfnisse und Selbstentfaltung sind wichtig; nicht das grosse Geld oder Führungspositionen zählen, sondern eine sinnhafte Arbeit und eine gute Arbeitsatmosphäre.

44 % der jungen Generation nennen Spass als grösste Motivation für Leistung

Generation Familie

Generell haben diese neuen Umstände und Möglichkeiten eine Verschiebung im Wertesystem ermöglicht. Freunde, Freizeit und Familienorientierung sind sehr zentral für die Gen Z. Gemäss Rüdiger Maas ist die Gen Z sehr kollektiv geprägt: «Man strebt in den Mainstream und hat viel weniger das Bedürfnis, sich von Jüngeren oder Älteren abzugrenzen.» Die Wünsche dieser Generation für die Zukunft sind eigentlich sehr bodenständig: «Familie, Kinder, Gesundheit, Haus und genügend Geld», so Simon Schnetzer. Als wichtigste Werte wurden ihm in seiner Studie Vertrauen, Gesundheit und Freiheit genannt.

Generation ambivalent

Aber auch andere Werte stehen hoch im Kurs: «Die Gen Z hat einen hohen Moralanspruch bezogen auf Liberalität, Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit», so Maas. Wobei die Nachhaltigkeit dennoch ein ambivalent gelebter Wert sei. Denn obwohl die Gen Z gemäss Simon Schnetzer zum Beispiel in Punkto Essverhalten viel ökologisch-nachhaltiger orientiert ist und manche Statussymbole wie ein tolles Auto grundsätzlich ausgedient haben, sind andere dennoch wichtig: «Es wird Verzicht gepredigt, aber das neueste iPhone inklusive Apple-Watch muss es schon sein», gibt Rüdiger Maas zu bedenken. Er stellt für den Punkt Nachhaltigkeit eine Kluft zwischen Einstellung und Verhalten fest. «Die Gen Z streamt sehr viel, kauft regelmässig neue Kleidung und lebt in einem Luxus wie keine Generation vor ihr… Sie wünscht sich ein Umdenken in der Nachhhaltigkeitspolitik, allerdings, ohne selbst zu verzichten.»

Besitzreduktion oder Sharing Economy, wie Mobility sie ermöglicht, ist für die Gen Z darum schon eher wie-der out. Warum? «Weil sie im Wohlstand aufwuchs, nie teilen, verzichten oder auf etwas warten musste», so Maas. Die Gen Y hingegen könne mehr mit diesen Themen anfangen: «Sie hat erkannt, dass man mit dem, was man schon hat, mehr machen kann – zum Beispiel in Form von Carsharing, AirBnB etc.», erklärt er das Phänomen.

Der Traum einer besseren Welt ist vorhanden

Generation Engagement

Was die Gen Z aber auch ausmacht, ist, dass sie politischer und aktivistischer ist als ihre Vorgängergeneration. Gerade Themen wie die Stärkung der Rechte der LGBTQ+-Community, Gleichberechtigung oder bestimmte ökologische Themen finden im Bewusstsein grossen Anklang, wie etwa die #metoo-Bewegung oder «Fridays for Future» zeigen – was der Gen Z auch den Namen «Generation Greta» eingebracht hat. Der Traum einer besseren Welt ist vorhanden. Und die digitale Vernetztheit bietet mehr und schnellere Möglichkeiten, etwas anzustossen und andere zu erreichen.

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